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protagonisten
 
 

Die Azubine
Sarah-Linda Schmidt – Jahrgang 1990

Die blonde Auszubildende ist ehrgeizig. Das steckt bei ihr in der Familie. Schon der Großvater, die Großmutter und der Vater arbeiteten in der Chirurgiemechanikbranche. „Mädchen, streng Dich an, sagte sie zu sich.“ Sarah fiel die Mischung aus eintönigem Feilen und computergestütztem Fräsen anfangs schwer, - und dann das eintönige Stehen an der Werkbank... Mittlerweile hat sie sich ganz gut eingarbeitet, genießt manchmal sogar die besondere Rolle als „Azubine“ im stark männlich geprägten Kollegenkreis.

Der Kleinunternehmer
Günther Stoffel — Jahrgang 1942

„In 15 Jahren fressen wir alle Gras...“, sagt einer, der es wissen muss. Er ist der Gründer und Eigentümer eines fünfzehn Mitarbeiter zählenden Betriebes der Chirurgiemechanik.
Er habe im Ort zwei Spitznamen, erzählt er. Der eine bezieht sich auf seine Handwerkskunst: „Man nennt mich Handgriff-König.“ Denn er war es, der vor 25 Jahren dem Meister bei seinem damaligen Arbeitgeber, der Aesculap AG zeigte, wie aus einer rautenförmigen Riffelung eine pyramidenförmige zu fertigen sei. So viel Eigeninitiative kam in der altehrwürdigen Aktiengesellschaft für Feinmechanik Aesculap AG nicht gut an. Darum verstärkte er sein Engagement in der bis dahin eher als Hobby betriebenen Kellerwerkstatt.
So sehr verstärkt, dass man ihn nach Jahren im Ort mittlerweile „das ewige Licht“ nennt. „In meiner Werkstatt brannte das Licht von morgens um halb sieben bis abends um elf – jeden Tag, außer samstags – da nur bis mittags um eins. Ich musste mich ja auch mal um die Kinder kümmern...“ Der Grund, warum er nicht selbst in den Handel einsteigt, macht Stoffel kurz und bündig klar: „Das sind alles Luggenbeitel...!“ Mit der Kamera werden wir Günther Stoffel in seinem Tagwerk, seinem Mikrokosmos begleiten. Wir lernen ihn, sein Wesen, seine Mentalität kennen – seine Werte, seine Ängste, seine Hoffnungen. Sein Portrait dient als Beispiel für die hiesig stark ausgeprägte Schaffermentalität, die den Erfolg des Industrieclusters und heute seltenen Reichtum einer Kommune begründen.

Der Chirurgiemechaniker
Siegfried Hirt — Jahrgang 1929

Siegfried Hirt ist einer der letzten „Souterrain-Fabrikanten“, Einmannfirmen, meist im Keller des Wohnhauses. Wie sieht sein Chirurgiemechaniker-Tagwerk aus?
In Tuttlingen gibt es viele kleine Handwerksbetriebe, die ihr Gewerbe bis hin zu den ersten Instrumentenmachern in der Mitte des 19. Jahrhunderts zurückverfolgen können. Ein solches Unternehmen führt der Chirurgiemechaniker Siegfried Hirt. Sein Unternehmen „Otto Schmidt“, benannt nach seinem Schwiegervater, befindet sich in einem normalen Wohnhaus in einer ruhigen Tuttlinger Straße.
Die Pinzetten, die hier hergestellt werden, werden für den Versand praktischerweise in eine Art Butterbrotpapier eingewickelt. Alles ist bei Siegfried Hirt noch Handarbeit. An der Wand hängt eine Urkunde, die dem Chirurgiemechaniker im Jahre 2000 ausgehändigt wurde. Da hatte er seinen Meister seit 40 Jahren. Der alte Mann mit den freundlichen Augen und den Händen, deren Anatomie sich seiner jahrelangen Tätigkeit angepasst hat, macht einen versöhnten Eindruck. Dass er in seiner Region und seinem Handwerk tief verwurzelt ist, merkt man daran, dass er zu allen Themen rund um die hiesige Chirurgiemechanik und die Veränderungen der Branche etwas zu berichten weiß: Die Großen am Platz, die internationale Konkurrenz, die gefürchtete FDA-Behörde, die langjährigen Geschäftsbeziehungen zwischen Tuttlingen und den USA, die Konkurrenz zwischen Betrieben. Dabei strahlt der Handwerker eine gewisse Altersweisheit aus, er schwebt über den Dingen, verliert kaum ein unfreundliches Wort über jemanden, er berichtet nur. Er ist wie ein Geschichtenerzähler. Seine Lebensrückschau, sein Alltag und seine Betrachtungen geben uns Anhaltspunkte, Ruhemomente und ein gedankliches Panorama, zu ihr kehren wir im Film immer wieder zurück.

Der Großhändler
Karl Huber — Jahrgang 1936

Huber war es, der Ende der 1950er Jahre als erster Vertreter der Tuttlinger Chirurgiemechanikerbranche nach Pakistan aufbrach. Damals prüfte er, ob die dortigen Eisenhandwerker, ursprünglich ausgebildet in der Waffen-Produktion der englischen Kolonialherren, chirurgische Instrumente herstellen konnten. Huber ließ sich von den anfänglichen Rückschlägen aus Qualitätssicht nicht entmutigen. Er lehrt heute mit seiner Firma den großen der Branche das Fürchten. „Aesculap bietet bei vielen Ausschreibungen in Ländern gar nicht mehr an, wenn sie merken, dass wir dabei sind...“
Mittlerweile kann Huber beurteilen, wie gut die Qualität der Produkte aus dem “feindlichen” Sialkot in Wahrheit ist. Bei näherer Betrachtung zeigt sich, dass viele Tuttlinger Firmen aus der pakistanischen Bedrohung eine Tugend gemacht haben. Sie beziehen einen Großteil der Standardware von dort.

Der Einkäufer
Jim Leitl - Jahrgang 1963

Die Bedeutung Tuttlingens für die OP-Säle der Welt zeigt sich an der Zahl der, vor allem US-amerikanischen, multimilliardenschweren Medizintechnikkonzerne, die allesamt ihre Niederlassung für die Beschaffung von meist chirurgischen oder orthopädischen Instrumenten hier unterhalten. Stellvertretend wird der Vice Presisdent von V.Mueller, Mitglied des Managements des Mega-Konzerns „Cardinal Health“ seine Sicht über Tuttlingen und die Bedeutung dieses Standortes für den US-Markt kundtun. Vinzenz Müller wanderte 1884 nach einer Chirurgiemechanikerlehre von Liptingen bei Tuttlingen nach Chicago aus, um in der neuen Heimat eines der weltweit bedeutendsten Unternehmen in diesem Bereich zu begründen.

Der Konzernlenker
Prof. Dr. Dr. Michael Ungethüm - Jahrgang 1943

Ungethüm machte seit Mitte der 1970er aus der damals zwar großen und mächtigen Aktiengesellschaft für Feinmechanik, die bis dahin konsequent aber bieder nur auf die Fertigung von chirurgischen Instrumenten setzte, einen auf dem Weltmarkt attraktiven Medizintechnikkonzern. Das Tuttlinger Industrie-Cluster geht auf den Gründer von Aesculap, Gottfried Jetter, zurück. Er war es, der während seiner Gesellenjahre die Bedeutung von standardisiertem chirurgischem Instrumentarium erkannte. 1867 gründete er seine Werkstatt. Heute operiert das Unternehmen Aesculap als Sparte des 35.000 Mitarbeiter großen B.Braun-Konzerns. Aesculap bedient inhaltlich alles rund ums Operieren: Vom Öffnen bis zum Schließen des Körpers. Dies betrifft auch Implantate als künstlicher Gelenkersatz. Welche Rolle spielt der Standort Tuttlingen heute und in Zukunft? Welche Bedeutung hat die Produktion von chirurgischen Instrumenten an diesem Standort heute und in Zukunft?

Die Kämpferin
Dr. Sybill Storz - Jahrgang 1937

Welche Rolle am enormen Unternehmenserfolg spielt die hiesige Mentalität der Arbeiterschaft? Setzt die Fa. Karl Storz weiterhin auf den Standort Tuttlingen? Wie kann sich Tuttlingen dem internationalen Wettbewerb erwehren? Gibt es Gemeinsamkeiten unter den Firmen?
Welche Bedeutung kommt einer Tuttlinger Hochschule zu? Würde eine Tuttlingen AG Sinn machen? Oder gibt es diese vielleicht schon heute bereits im Sinne des gesunden Wettbewerbs? Ob dem so ist, wird die Tochter des legendären Firmengründers, Karl Storz, direkt beantworten können.
Dr. Sybill Storz zeigt uns auch ihren besonderen Ausstellungsraum, das Museum der Storz-Plagiate. Kopien der Storz-Produkte aus Fernost finden sich hier genauso, wie Nachbauten von Tuttlinger Nachbarn. Auf der weltgrößten Medizintechnik-Fachmesse „Medica“ in Düsseldorf ließ Frau Storz vor wenigen Jahren aufhorchen, als sie per Einstweiliger Verfügung am Vorabend der Eröffnung bei einem halben Dutzend Wettbewerbern das Ausstellen von Storz-Kopien unterband.

Der Mahner
Prof. Dr. Meinhard Miegel - Jahrgang 1942

Welche gesamtwirtschaftlichen Chancen und Gefahren der Globalisierung offenbart das Beispiel Tuttlingen?
Die Autorität in diesem Bereich ist der Leiter des Instituts für Wirtschaft und Gesellschaft Bonn, Prof. Dr. Meinhard Miegel. Er wird darstellen, dass selbst im Landkreis der vermeintlich Glückseligen der Wohlstand stagnieren oder gar zurückgehen wird. Tuttlingens Entwicklung läuft sozusagen in Zeitlupe, da viele andere Branchen Globalisierungs-Entwicklungen wohl unter viel stärkerem Preisdruck und weitaus in höherem Tempo erleben oder bereits erlebt haben. Miegel wird die möglicherweise unschönen Zukunftsperspektiven Tuttlingens und seiner Handwerkerschaft skizzieren.

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